
Nachdem der dritte Startversuch auch schief ging, denke ich mir, das muss vielleicht so und packe ein und fahre mit dem Auto wieder den Berg runter. Erstmal unten kleben das ganze. Man weiss ja nie, wie sich das entwickelt. Besser man riskiert da nichts. Keiner von uns hat Flickzeug mit, nur eine nette junge Frau am Landeplatz hilft mir mit einem Flicken aus. Als nächstes also erstmal einen erste Hilfe Koffer für den Schirm besorgen.

Mittlerweile ist ein Herr von der Stadt mit einem Mercedes Transporter gekommen und bietet an, uns nach ganz oben auf den Nordhang zu fahren, für 6 DM. Das ist natürlich prima, da man nicht nochmal hoch muss, um die Autos zu holen. Wir fahren mit. Wir rechnen mit einer Stunde Fahrzeit, aber der Herr jagt den Wagen dann doch in knapp 40 Minuten hinauf. Oben fahren uns ein paar ältere Herrschaften hinterher und wollen filmen, wie wir "abspringen". Sie haben die Paraglider immer über dem Ort gesehen und wollen nun mal schauen, wie das oben anfängt.
Diesmal klappt der Start gut. Ich komme gut raus und fliege meinem Begleiter hinterher. Er macht gut Höhe, nur ich nicht. Ich treibe immer mehr ins Lee der Berge und merke es erst, als es zu spät ist. Ich komme nicht mehr über die Baumwipfel, denke ich und fluche wie ein Rohrspatz. Ich Trottel, ich hätte einen so schönen langen Flug in die Abendsonne haben können und packe es nicht. Also, Außenlandung. Ich sehe eine recht grosse Wiese. Um die Wiese stehen rund herum Bäume, ich werde dort also nicht mehr heraus kommen. Aber das wäre im Lee sowieso sinnlos gewesen, einen Start zu versuchen. Der Wind kommt von der Bergspitze und geht ins Tal. Zwar nicht viel, aber ich hätte rennen müssen wie ein Wilder, damit ich abheben kann. Also aus dem Sitz gerutscht, angebremst und ... es klappt super, ich lande genau in der Mitte der Wiese. Also mit Außenlandung hab ich scheinbar erstmal kein Problem. Hatte mich ja schon zwischen den Bäumen gesehen.

Über mir schweben die anderen Richtung Landeplatz vorbei. Oh Gott, die finden mich doch hier in der Wildnis niemals. Ich packe also den Schirm und tappe bis zur nächsten Strasse. Ist leider nur ein Feldweg der auf der einen Seite im Wald endet. Scheinbar muss ich den Berg hinauf laufen um über den Bergkamm zur Strasse zu gelangen, auf der wir den Berg hinauf kamen. Der Berg geht sicherlich mehr als 200 Meter nach oben. Na das kann ja lustig werden. Ich tappe also los, der Rücken tut schon nach 10 Minuten weh, ich habe Durst (und nix mit) und mit dem Handy bekomme ich kein Netz. Schöner Mist. Die Häuser, die ab und an auf dem Berghang stehen sind alle verrammelt. Scheinbar nur Wochenendhäuschen oder so. Endlich finde ich ein Funkloch fürs Handy. Ich setzt eine kurze Nachricht auf die Mailbox ab, das man schonmal die Suchtrupps losschickt :) und es geht weiter.
Im Wald leide ich Qualen: nichts zu trinken mit, überall Fliegen, der Weg geht nur Berg auf (zum Glück ein geteerter Weg) und ich bin nach 30 Minuten fix und fertig. Ich lasse mich erstmal auf die Strasse fallen samt Rucksack und versuche ein wenig zu verschnaufen. Aber die Fliegen und Mücken wollen unbedingt an mir rum knabbern. Ich überlege schon, ob ich den Schirm nicht hier verstecke und zu Fuss die Strasse suche. Aber wenn dort eine Schranke ist und man nicht mit dem Auto reinkommt ... Lieber nicht. Nach weiteren 20 Minuten denke ich, ich muss heute hier im Wald übernachten. Ich mache gerade mal wieder eine kleine Sitzpause, also ich ein Motorrad irgendwo hinter den Bäumen heulen höre. Das gibt mir neuen Mut, nachdem ich mittlerweile über eine Stunde durch den Wald immer nur Bergauf gelatscht bin.
weiter ...