Paragliding Slowenien 2oo1 Seite 1 2 3 4

Jörg meint hinterher, ich solle doch mal näher an den Hang heran, dabei aber immer die Bremse Richtung Tal griffbereit halten, um bei einer Störung abdrehen zu können. Nachdem alle unten sind, holt Marcus uns wieder ab und wir fahren nochmal hinauf. Der Wind ist stärker geworden, wir müssen einige Zeit warten. Dann aber gehts los und diesmal bin ich ein wenig mutiger und kann mich einige Zeit länger am Hang halten. Ich taste mich langsam an den Hang heran, lasse mich immer wieder seitlich versetzen, bis es hinauf geht. Da der Wind recht gut bläst, bekomme ich immer wieder kräftige Heber, bis ich schliesslich den Grat erreiche. Es macht Spass, zu kreisen und zu drehen und sich auf und ab ziehen zu lassen. Einige Male wirds mir dann aber doch zu heikel und ich drehe ab.

Marcus meint, ich solle meine Kreise enger ziehen und sobald ich einen Bart erwische, reindrehen. Mit dem fliegen wird es heute allerdings nichts mehr, da uns der Magen knurrt und wir uns erstmal in ein Cafe am Rand von Nova Gorica setzen. Dort gibt es herrlichen Apfelkuchen mit Puderzucker und dazu Apfelschorle und Cappuchino. Danach sieht die Bewölkung nicht mehr nach fliegen aus, es ist windig geworden und tröpfelt ab uns zu mal. Wir fahren ins Quartier zurück. Dort werden wir mit einem 4 Gänge Menue erschlagen, das einem 4 Sterne Restaurant alle Ehre machen würde. Zwar einfach, aber super lecker und mehr als ausreichend.

Montag dann wieder strahlender Sonnenschein. Nach dem Frühstück gehts gleich los zum fliegen. Diesmal steht der Wind gut an, ich mache mal wieder den Dummy und tue auch gut daran, denn der Wind wird gegen Mittag immer stärker. Josch und Jörg, die noch gewartet haben, starten erst lange nach mir raus. Ich kratze diesmal am Hang, das ich schon fast die Blätter der Bäume berühren kann. Dabei aber immer die Bremse in Richtung Tal unter Spannung, damit ich sofort abdrehen kann. Ich probiere es ein paar Mal, heftig abzudrehen und komme so auf den Geschmack, die Wendungen am Hang richtig tief und schnell zu machen.

Ich saufe einige Male stark ab, kann mich aber immer wieder hocharbeiten, schliesslich bin ich über dem Kamm und kann auf den Startplatz sehen. Irgendwann aber versenke ich mich zu stark und kratze schliesslich fast am Fuss des Berges herum. Unterhalb es Startplatzes ist ein Art Schlucht, dort kämpfe ich mich wieder hinauf. Dauert fast ne halbe Stunde, aber es klappt. Das macht eigentlich am meisten Spass, das kreisen, suchen nach dem Aufwind und wenn man ihn dann hat, einkreisen und aufdrehen. Als ich dann wieder oben über dem Kamm schwebe bin ich recht zufrieden mit diesem Flug. Meine Kaltfrontexperimente Anfang April in Tannheim haben mir schon wertvolle Hilfe geben beim Handling des Schirms, aber dieses Hangfliegerei hier ist einfach genial. Ich komme jetzt viel besser klar mit den Kurven, traue mich auch mal, die Bremsen kurzzeitig voll zu ziehen und den Schirm so in ein steile, enge Kurve zu zwingen. Einfach Klasse.

Ich ärgere mich schon fast, das ich nicht schon viel früher ein wenig mehr rumgespielt habe, dann hätte ich sicherlich schon im Januar in Tannheim mehr rausholen können, als immer nur den Gradeaus Abflug vom Berg. Naja, ist ja noch nicht zu spät :) Nach etwas über 2 Std. werden mir langsam die Arme lahm. Die anderen fliegen inzwischen und tummeln sich im Aufwind. Horst und Rainer haben einen kurzen Flug Richtung Landeplatz gemacht. Ist ihnen noch nichts, so dicht am Hang zu kratzen. Unten angekommen gratuliert mir Jörg erstmal zu meinem Flug. Ich bin total Happy, das das so prima geklappt hat. Hab auch gleich noch mit 1236m den höchsten Flug von uns heute gehabt. YEAH, ich bin stolz auf mich. Wenn ich schon nicht vernünftig Auto fahren kann, dann klappts ja vieleicht beim fliegen :) Muss aber dazu sagen, die knapp 2000 Kilmoter hin und zurück nach Slowenien habe ich auch ohne Beulen überstanden. Das liegt bestimmt am Frankfurter Stadtverkehr, das mein Auto so kaputt ist :)

Nachmittags dann gehts nochmal hinauf und diesmal halte ich mich eine knappe Stunde in der Luft, bis ich dann absaufe und auf dem Modellflieger Landeplatz mit Josch runter muss. Es ging einfach nix mehr. Nach ca. 10min. Fußweg sind wir dann nach einem leichtem Nieselregenschauer am Landeplatz. Genug für heute. Ausserdem knurrt der Magen und die Leber schreit nach Pivo. Wir fahren nochmal nach Nova Gorica rein, da wir Geld brauchen. Ich tausche in der Bank meine letzten DM Bestände in Slowenische Dollar ein. Tauschkurs ist 1:110. Wie ich später feststelle, hätte ich auch mit der EC Karte am Automaten Geld holen könne. Steht zwar nicht drauf, das der Automat Electronic Cash unterstützt, aber geht. Man muss halt manchmal einfach nur probieren. Abends wieder ein 4 Gänge Menue, diesmal u.a. Calamares kalt. Sehr lecker gemacht.

Dienstag dann wieder Sonnenschein am Morgen, kleine Wölkchen, die im Laufe des Tages größer werden und recht gut noch oben saugen. Allerdings keine Gewitterneigung. Prima Flugwetter. Marcus hat mir den Tipp gegeben, die Kurven flacher zu fliegen, wenn der Aufwind nicht zu stark ist. Dazu einfach mehr in die Kurve lehnen und nicht soviel Bremse ziehen an der Kurveninnenseite. Klappt prima, ich komme super rauf und schaue mich mal bischen über dem Plateau um. Weit in der Ferne sehe ich Berge, aber man kann sie mehr erahnen, als sehen, da es sehr dunstig ist. Gestern morgen von der Strasse aus sah man sie etwas besser. Das kratzen am Hang macht uns allen recht viel Spass. Marcus fliegt auch ab und zu mal mit. Muss uns schliesslich beaufsichtigen, was wir so in der Luft treiben :) Auch Horst, Rainer und Sybille trauen sich immer dichter an den Hang und könne sich schon längere Zeit halten.

Mittwoch. Hätten wir gewusst, was da auf uns zu kommt, wir wären bestimmt alle etwas weniger freudig zum Startplatz gefahren. Horst macht heute den Dummy und stürzt sich von unserer Truppe als erster ins Vergnüngen. Die ganzen Tage waren auch immer noch Piloten aus Slowenien und Italien mit auf dem Berg. Der Wind ist wiedermal gut und man kommt prima raus. Jörg und Josch probieren heute mal Rückwärts aufziehen, aber das ganze klappt noch nicht so, wie die beiden es gerne wollen. Übung macht aber den Meister und dann gehts auch. Ich muss das auch dringend nochmal üben. Habe es erst einmal in Tannheim im Januar geschafft. Naja, beim nächsten Flug, sage ich mir. Ich gehe also raus und fliege eine halbe Stunde in der Gegend herum. Dann gehts runter und ich komme nicht mehr so recht rauf, da ich mich an der falschen Stelle versenkt habe, keine Chance mehr, zum Kamin zu kommen.

Der Kamin ist eine Höhle, die Richtung Tal offen ist und nach oben. Wenn man genau über die Öffnung nach oben kommt und der Wind gut ansteht, dann gehts dort super nach oben. Aber auch vor der Öffnung zum Tal hin kann man super aufdrehen, da dort kaum Bäume sind und der Felsen steil nach oben geht. Nachdem Marcus uns wieder raufgekarrt hat, geht diesmal Horst wieder als erster raus. Er ist wohl auf den Geschmack gekommen :) Ich gehe wenig später hinterher und schaue, wo Horst sich rumtreibt. Er fliegt schon am Hang entlang und versucht sich rauf zu schrauben. Ich habe weit hinter dem Kamin gestern eine Stelle gehabt, an der es super rauf geht, also versuche ich es heute wieder.

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