Der zweite Flug klappt um einiges besser. Auch die Landung geht so. Ich habe aber
immer noch Probleme mit der Landeeinteilung. Bis zum 40. Flug ist ja noch ein
wenig Zeit :) Nachdem zusammengepackt auf dem Landeplatz komme ich mit einem netten
Mädel ins Gespräch. Wir reden übers Wetter und über die Fliegerei und wie sich dann
herausstellt, ist es die Freundin vom Franz. Tja .... :)
Was solls, ich brauche Flüge, also wieder rauf auf den Berg. Dritter Flug für heute.
Günther, unser Spassvogel macht mal ein bischen was er will und fliegt Richtung
Vilsalpsee. Das dort Naturschutz Gebiet ist stört ihn scheinbar weniger. Ich höre
nur ständig Franz per Funk auf ihn einreden. Wäre er noch weiter diese Richtung
geflogen, hätte er sich wohl im Lee der Berge versenkt. Aber er kriegt dann endlich
die Kurve und schwebt Richtung Landeplatz. Ich starte auch raus und fliege Richtung
Tannheim. Am Hang bekomme ich noch ein paar kleinere Heber mit und es wird etwas
unruhig, als ich aus der Thermik wieder heraus falle. Aber der Schirm bleibt brav
über mir und gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Die Landung klappt wieder nicht so
richtig. Irgend etwas mache ich falsch.
Aber nicht nur ich. Günther hat den Schirm ein wenig in die Bäume am Landeplatz
gehängt. Er hat sich hinter die Bäume versetzen lassen und hat dann die Kurve nicht
mehr so richtig hinbekommen. Er wollte dann durch eine Baumlücke hindurch und blieb
mit einer Ecke in den Bäumen hängen. Am Abend dann gehts mal wieder nach Klein
Meran auf die Jause, bischen was gutes essen. Die Überraschung war recht gross,
da meine Begeleiterin seit letztem Jahr auch nicht mehr da war und das Kind der
Wirtsleute inzwischen schon recht gross geworden ist (sie war letztes Jahr, als wir
dort oben meinen Geburtstag gefeiert haben, gerade geboren).
Am Mittwoch dann schon beim aufstehen wieder mal Dunst am Gipfel und alles recht feucht. Wird heute wohl auch nichts mit fliegen. Also komme ich wohl wieder meiner Theoretischen Prüfung etwas näher.
Donnerstag: Früh geht wieder nichts, ich dreh langsam am Rad. Wir machen also Theorie
und wollen dann am Mittag gleich noch die Prüfung machen, wenn wir mit dem Stoff so
weit kommen. Wir packen es ganz gut und die Prüfung schaffe ich grade so. Einige
Fragen sind wirklich ziemlich haarig. Hätte doch vieleicht mal gestern abend noch
ein wenig pauken sollen. Vor allem das Wetter macht mir Probleme. Franz meint, es ist
auch nicht ohne und man braucht lange, um hinter die Geheimnisse zu kommen.
Doch leider ist es für das fliegen essentiell wichtig. Wenn man bestimmte
Wettersituationen falsch einschätz, riskiert man Kopf und Kragen. Also bleibt dies
für mich einer der wichtigsten Punkte, um die ich mich kümmern muss.
Nachmittags dann können wir doch noch einen Flug wagen. Diesmal gehts ganz gut, was
Start und Landung betrifft.
Doch den Kracher liefert wiedermal Günther. Er startet nachdem ich gelandet bin
und fliegt wiedermal Richtung Vilsalpsee. Marcus versucht ihn zu überreden, aus
der Ecke rauszukommen, aber Günther fliegt weiter und säuft total ab. Franz
sieht Günther schon im Wald oder auf dem Berg landen und fleht förmlich in die
Funke, das er endlich Richtung Landeplatz dreht. Dann endlich schein auch Günther
einzusehen, das es so nicht geht, er dreht. Da er aber schon ziemlich tief ist,
kommt ein neues Problem. Er muss noch über die Häuser zum Landeplatz. Klüger wäre
es, wenn er abdreht und sich irgendwo vor den Parkplätzen eine nette Wiese sucht.
Aber nix, Günther wäre nicht Günther, wenn er jetzt feige abdrehen würde (er
meinte hinterher, das noch sooooviel Luft unter ihm war, das hat locker gepasst).
Franz wurde langsam unruhig und sprach nun "etwas" lauter und bestimmter ins
Funkgerät. Günther kam immer näher an die Pizzeria Mamamia und flog dann
schliesslich knapp über die Antenne und die Strasse Richtung Landeplatz.
Dort aber bremste er nicht etwa, sondern hob die Füsse und liess sich über den
Landeplatz ziehen, bis der Schirm schliesslich vor ihm ins Gras sank.
Das Gurtzeug, speziell die Sitzfläche hat sich bestimmt gefreut.
Was würde nun passieren ? Ich habe Franz noch nie die Ruhe verlieren sehen,
würde er jetzt in eine Schimpfkanonade ausbrechen ?
Also ich hätte Günther rund gemacht.
Aber Franz blieb ruhig und sachlich, und wir bekamen leider nicht mit, was er ihm sagte, da wir zu weit weg standen. Auf alle Fälle war er ziemlich ruhig, als er dann zum Packplatz kam und seinen Schirm zusammenlegte. Wir wollten natürlich wissen, was los war. Günther meinte nur, der Funk wäre ausgefallen. Hmm, ein Argument. Aber wenn jemand schon "so lange" fliegt und bald den Sopi machen will, dann sollte er meiner Meinung nach besser einschätzen können, ob man bestimmte Sachen riskiert oder nicht. Aber vieleicht war er ja auch überfordert mit der Situation. So genau weiss ich das leider nicht. Vieleicht erzählt er es mir ja mal :)