Im Landeanflug sieht der Landeplatz dann doch recht klein aus und die Stromleitungen
im Süden und Osten scheinen recht dicht. Aber letztendlich ist doch mehr als
ausreichend Platz. Man sollte aber vor dem ersten Flug unbedingt einen Blick auf
das Landegelände geworfen haben. Landung klappt prima, besser als erwartet.
Ein paar Lupfer habe ich über dem Bach, der Windsack wedelt richtungslos, aber
es gibt keinerlei Probleme.
Ich packe zusammen und laufe wieder zum Lift und es geht wieder hinauf. Oben
angekommen esse ich erstmal was. Ein Germknödel und eine Apfelschorle und
der Magen gibt Ruhe :) Inzwischen sind einige andere Paraglider eingetroffen und
legen unterhalb des Lifts aus, einige sind auch schon gestartet und drehen über
der Bergstation ihre Kreise. Also fix den Schirm ausgelegt und ab in die Luft.
Der Wind ist recht stark geworden, aber nicht zu stark, man kann noch bequem
vorwärts raus.

Ich bekomme einige gute Heber und versuche es dann wieder über dem rechten
Grat. Und wieder versenke ich mich. Unterhalb des Grates quere ich dann die
Schneise in der der Lift läuft und versuche es weiter im Osten des Tales. Aber
ich bin schon zu niedrig. Vor mir hats einer geschafft und hat wieder aufgedreht.
Allerdings ist er mit mehr Höhe an den Hang gekommen als ich. Ich saufe
wiedermal gnadenlos ab und mache auf einem Acker am Ortseingang eine
Aussenlandung. Zum Glück ist hier alles gemäht und ich muß hoffentlich nicht den
Zorn der Bauern fürchten :)
Nach 20 Minuten Fussmarsch durch den Ort mit den idyllischen Bauernhäusern
komme ich wieder am Lift an und will es nochmal wissen. Oben ist der Wind inzwischen
einen Tick ruhiger geworden, mittlerweile ist es 15 Uhr, und der Wind beruhigt sich
weiter. Der Start klappt problemlos. Ich sehe weit im Tal einige Paraglider, die
vorhin auch schon oben hingen, oder zumindest glaube ich, das es sich um die selben
handelt.
Diesmal gehe ich gleich nach links parallel zum Ski-Lift und baue auch gut Höhe auf.
Ich halte mich recht lange in der Luft, wenn ich auch nicht so recht hinauf komme.
Startüberhöhung schaffe ich nicht. Schliesslich wird es mir zu dumm und ich fliege
ins Tal. Fliegen im Hangaufwind ist also doch nicht ganz so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Dazu kommt natürlich, das ich das Gelände hier überhaupt nicht kenne.
Am Abend dann fahre ich nach Au ins Hotel Alpenrose, welches der
FlyDoc mir empfohlen hat. Aber 90 DM die Nacht ist mir zu teuer.
Die Wirtin meint, ich solle es mal die Strasse weiter oben probieren, bei den privaten.
Und ich finde auch eine nette Familie, bei der ich Quartier bekomme. Der Hausherr ist
in seinen jungen Jahren selbst geflogen, bis seine Frau dann massiv protestiert hat. So
scheinen schon viele Fliegerlaufbahnen geendet zu haben.
Abends geh ich nochmal ins Hotel Alpenrose zum essen. Die Wirtin lädt mich schliesslich
zum Stammtisch ein. Ich bin aber so fertig durch den Flug und den langen Tag (bin
schliesslich schon seit 3 Uhr morgens auf den Beinen), das ich mich nach einem
Jägermeister verabschiede. Ich verspreche, am Di. zusammen mit Franz wieder zu kommen,
was allerdings nix wird.
Ap(c)o-Franz ruft am nä. morgen an. Er will sich mit mir am Neunerköpfle treffen. Laut
meinen Wirtsleuten sind es etwa 1 1/2 Stunden bis nach Tannheim, also mache ich mich
gegen halb zehn auf den Weg durchs Lechtal. Die Tour kenne ich schon, da ich schonmal
bis Warth gefahren bin von Tannheim aus, da damals das Wetter schlecht war.
Wir treffen uns um 11 Uhr in Tannheim und fahren dann auch gleich auf den Berg. Im Tal
geht bereits ein recht kräftiger Wind und im Westen sieht man schon, wie es sich eintrübt.
Die angekündigte Kaltfront kommt. Sollte eigentlich erst am Mi. kommen. Aber da war wohl
das Wetter wieder mal schneller als der Wetterbericht.

Oben ist der Wind noch normal. Wir starten also recht bald raus und ich kann
mich diesmal 2 1/2 Std. am Berg halten. Der Wind bietet immer wieder gute
Möglichkeiten, wie im Fahrstuhl nach oben zu schießen und gut Höhe zu
machen. Teilweise habe ich 5,2m/s steigen. Leider aber auch immer wieder
grosses sinken. Nach einiger Zeit habe ich aber ein paar Stellen, an denen
es immer wieder hinauf geht, zum Beispiel über der Bergstation. Allerdings
sollte man schon etwas Höhe haben, denn wenn man dort durchsackt, dann
hängt man schnell im Lift oder rechts im Lee.
Nach einigem rumspielen am Berg habe ich dann endlich meine Startüberhöhung
und sehe das Gipfelkreuz endich mal wieder von oben. Neben dem Gipfelkreuz
geht es teilweise auch brachial nach oben, allerdings muss man aufpassen, das
man nicht gegen die Felsen gedrückt wird. Das ganze wird mir nachher ein
bischen zu heikel und ich fliege Richtung Tal. Aber selbst über dem Hang
bekomme ich immer wieder schöne Heber. Man könnte hier wohl noch stundenlang
weiter fliegen. Aber mir werden langsam die Arme schlaff, hätte vorher vieleicht
doch mal ein paar Tage lange Liegestütze machen sollen, damit die Kondition da
ist :) und die Kaltfront zieht langsam von Westen an das Tal heran.

Einige sind vom Berg direkt ins Tal geflogen und stehen nun im starken Talwind.
Ich fliege vom Berg weg Richtung Tannheim, wie ich es in der Flugschule gelernt
habe. Mein Fluglehrer wäre stolz auf mich gewesen. Im Tal dann perfekte
Landung. Naja, fast perfekt :)
Am späten Nachmittag fliegen dann noch ein paar Einheimische. Ich will auch
nochmal, aber ich wurde aus meinem Auto ausgesperrt, weil der Ap(c)o-Franz
meinen Autoschlüssel mitgenommen hat :(
Als er endlich wieder da ist, gehts heim nach Schoppernau. Dort scheint die
Sonne und von einer Kaltfront ist weit und breit nichts zu sehen. Schon toll,
so ein Wetterbericht :)
Am letzten Tag dann wieder schönstes Wetter, im Westen allerdings sieht man
schon leichte Eintrübungen. Die Kaltfront wird also kommen, auch hier. Aber
ich meine, ein Flüglein geht noch. Also rauf auf den Berg. Am Lift in der
Bergstation sagen mir die Mitarbeiter schon, das der Wind sehr heftig geht,
wahrscheinlich so um die 20-25kmh. Ich trinke erst mal ne Apfelschorle und
schaue mir eine Weile die Dohlen an, die vorm Geländer der Bergstation im
Aufwind herumtollen. Solche Flügel bräuchte man, so wendig und klein.
Ich treffe einen Schweizer, der mit dem Wohnmobil am Parkplatz heute stand.
Er erzähl mir, das er lieber an die Mittelstation geht, dort soll man auch
starten können. Ich will mal probieren, ob ich von oben weg komme. Wenns
nicht geht, will ich nachkommen. Ich stapfe also herunter und der Wind ist
recht kräftig. Als ich am Startplatz bin, überlege ich lange, ob ich den
Schirm rausholen soll oder nicht. Ich tue es dann doch und es kommt, wie
ich es dachte.

Der Wind lässt mir keine Zeit, den Schirm auszulegen und mich einzuklinken.
Er packt ihn sofort und zerrt ihn in alle Richtungen. Ich kämpfe eine
Weile rum, aber es hat keinen Sinn. Selbst wenn ich in die Luft komme,
das ist mir einfach zu heftig. Einmal falsch oder zu langsam, dann hauts mich
vieleicht in den Lift hinter mir. Nix da, man muss auch einpacken können :)
Ich fahre also zur Mittelstation. Der Schweizer ist nicht zu sehen. Ich
warte eine Weile und frage dann eine der Mitarbeiterinnen, wo man hier
starten kann und ob das überhaupt erlaubt ist. Sie zeigt mir die Stelle
und ich überlege, ob ich den steilen Hang hinunter gehen soll. Falls
es nicht geht, muss ich ja wieder hinauf :(
Ich gehe trotzdem. Ich will meinen Flug :)
Der Wind ist hier unten etwas ruhiger, aber immer noch recht stramm. Die
Startfläche liegt direkt unterhalb der Terrasse. Auf der rechten Seite
machen mir die Bäume ein wenig Sorgen, da sie recht dicht dabei stehen.
Ich muss also gut aufpassen, wie ich rausstarte, keine Schlenker, zum
Bsp. durch verfrühtes hinsetzen riskieren.
Ich starte. Der Schirm treibt leicht Richtung Bäume. Ich korrigiere, immer
noch nur in den Gurten hängend und komme gut raus. Geschafft. Problem ist
jetzt nur, das ich ab einer gewissen Entfernung vom Hang keinen Meter mehr
vorwärts fliege. Den Beschleuniger hab ich nicht dabei. Der Talwind ist
so stark, das er meine Vorwärtsfahrt praktisch aufhebt. Wie war das mit dem
fliegen vor Kaltfronten ???

Nunja, ich könnte ja im Notfall am Hang landen. Aber diese Vorstellung ist
mir irgendwie suspekt. Ich baue erstmal Höhe auf, um vom Lift weg zu kommen.
Im Aufwind geht das auch prima, ich kann in kurzer Zeit auf die Terrasse
der Mittelstation schauen und einige Zeit später bin ich auf gleicher Höhe
mit dem Gipfelkreuz. Schon toll, so im Hangaufwind.
Wie komme ich nun aber ins Tal ? Gestern bin ich hinter dem rechten Grat
schön abgesoffen, ich probiere es nochmal, taste mich langsam ans Lee
heran. Liebe Anfänger, Beginner, bitte lasst es. Tut es nicht. Im Lee ists
ned schee. Ganz und garnicht. Die Luft wurde turbulent, es ging rauf und
runter wie in der Achterbahn, der Schirm hat des öfteren stark geraschelt,
als wäre er kurz vorm einklappen. Ich liebe zwar die Achterbahn, aber das
ist dort alles kontrolliert, während ich hier eins, zwei, fix mal ein paar
huntert Meter tiefer liegen könnte.
Ich fliege also wieder zurück zur Mittelstation und stelle mich in den
Talwind. Es geht gaaaaaaanz langsam voran. Nach ca. 30 Minuten, einem
halbseitigen einklapper und viel Nerven habe ich es endlich geschafft
und bin weg vom Berg. Hätte der Wind stärker geblasen, hätte ich wohl
oder übel oben landen müssen.

Etwas geholfen hat das achtern gegen den Wind, also immer wieder leichte
Achten gegen den Wind drehen. Allerdings aufpassen, das es einen nicht zu weit
nach hinten versetzt, also flache Kurven drehen, sprich in die Kurve
legen und wenig Steuerleine ziehen und ein wenig gegenbremsen.
Endlich komme ich unten an. Der Wind dreht ständig, ich habe einige
Mühe, eine halbwegs vernünftige Landung hinzulegen.
Das war fürs erste mein letzter Kaltfrontflug, würde ich jetzt mal so
sagen. Dann, ca. 1 1/2 Std. später, gings nach Hause. Bei Andelsbuch
dann schon wolkenbruchartiger Regen, starker Wind und tief schwarze
Wolken.
Was sagt uns das ? Hört auf den Fluglehrer, fliege nicht vor der
Kaltfront. Es macht zwar Spass, da der Wind recht kräftig ist. Aber man
muss wissen, wann Schluss ist. Wetterkenntnisse sind dabei von grossem
Vorteil. Werd noch einiges lernen müssen. Allerdings hat mir der Tag in
Tannheim auch viel gebracht, da ich im Handling mit dem Schirm immer
aktiver geworden bin, also auch mal die Bremsen richtig runtergezogen,
wenn ich in einen Aufwind Bart reingedreht habe. Und wenns dann mit 5m/s
aufwärts geht, ist das schon genial.